Comics aus Belgien – Die neunte Kunst
Belgien ist das Mutterland des europäischen Comics. Kein anderes Land hat pro Kopf so viele Comiczeichner hervorgebracht, und die „neunte Kunst" (le neuvième art) genießt hier denselben Stellenwert wie Literatur oder Malerei. Von Tim und Struppi über die Schlümpfe bis Lucky Luke – einige der bekanntesten Comicfiguren der Welt sind belgische Erfindungen. Die Bezeichnung als neunte Kunst geht auf den französischen Filmkritiker Claude Beylie zurück, der sie 1964 prägte, und wurde vom belgischen Comicforscher Morris (nicht zu verwechseln mit dem Lucky-Luke-Zeichner gleichen Namens) populär gemacht. Seither hat sich der Begriff in der gesamten frankophonen Welt als Selbstverständlichkeit etabliert.
Die Anfänge der belgischen Comickultur reichen in die 1920er-Jahre zurück, als Zeitungen und Jugendzeitschriften begannen, Bildergeschichten als festen Bestandteil ihres Angebots zu veröffentlichen. Was als Unterhaltung für junge Leser begann, wuchs innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer eigenständigen Kunstform heran, die heute einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt und das kulturelle Selbstverständnis Belgiens wesentlich mitprägt. Belgien verfügt über mehr als 700 professionelle Comiczeichner – eine beeindruckende Zahl für ein Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern.
Die großen Meister des belgischen Comics
Hergé – Tim und Struppi
Georges Remi alias Hergé schuf 1929 den Reporter Tintin (Tim) und seinen Hund Milou (Struppi). Die klare Linienführung („ligne claire") wurde stilprägend für die Brüsseler Schule. Weltweit wurden über 250 Millionen Alben in mehr als 100 Sprachen verkauft. Hergé gilt als Vater des modernen europäischen Comics. Seine Methode, reale Orte und historische Ereignisse gründlich zu recherchieren, setzte neue Maßstäbe für das Genre. Die Originale seiner Titelbilder erzielen heute bei Auktionen regelmäßig Millionenbeträge.
Peyo – Die Schlümpfe
Pierre Culliford alias Peyo erschuf 1958 die blauen Schlümpfe (Les Schtroumpfs). Aus einem Nebengag in „Johann und Pfiffikus" wurde ein globales Phänomen mit TV-Serien, Kinofilmen und einem Freizeitpark. Die kleinen blauen Wesen, die ihre eigene Sprache sprechen, in der das Wort „schlumpfen" fast jedes Verb ersetzen kann, sind in über 25 Sprachen übersetzt worden. Die Kinofilme von 2011 und 2013 spielten weltweit über 900 Millionen US-Dollar ein.
Morris – Lucky Luke
Der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, wurde 1946 von Maurice De Bevere geschaffen. Lucky Luke, sein treues Pferd Jolly Jumper und die trotteligen Dalton-Brüder gehören zum europäischen Kulturerbe. Morris arbeitete zeitweise mit dem französischen Texter René Goscinny zusammen, der auch die Asterix-Texte schrieb. Diese Zusammenarbeit brachte einige der besten Alben der Serie hervor, darunter satirische Neuerzählungen der amerikanischen Westgeschichte.
André Franquin – Gaston und Spirou
André Franquin gilt vielen Kennern als der begnadetste Zeichner der belgischen Comicgeschichte. Er übernahm 1946 die Serie „Spirou und Fantasio" und verlieh ihr seinen unverwechselbaren dynamischen Stil. Noch berühmter wurde er mit Gaston Lagaffe (Gaston), dem chaotischen Büroboten des Verlags Dupuis, der 1957 erstmals erschien. Franquin erschuf außerdem das Marsupilami, ein fantasievolles Fabelwesen mit überlangem Schwanz, das später zu einer eigenständigen Erfolgsserie wurde.
Willy Vandersteen – Suske en Wiske
Willy Vandersteen begründete 1945 die Abenteuerserie „Suske en Wiske" (in Deutschland als „Suske und Wiske" bekannt), die zu den populärsten flämischen Comics zählt. Mit über 370 Alben ist die Serie eine der umfangreichsten der Welt. Vandersteen beschäftigte in seinem Studio zahlreiche Mitarbeiter und schuf ein regelrechtes Comicimperium in Antwerpen. In Flandern kennt praktisch jedes Kind die Abenteuer von Suske und Wiske.
Marc Sleen – Nero
Marc Sleen schuf 1947 die Comicserie „Nero", die über Jahrzehnte hinweg eine der meistgelesenen flämischen Serien war. Sleen zeichnete insgesamt 218 Alben und hielt damit einen Weltrekord als Einzelzeichner einer Langzeitserie. Sein humorvoller, oft satirischer Stil machte Nero zu einer festen Institution der flämischen Populärkultur. Sleen wurde für sein Lebenswerk vielfach geehrt.
Brüsseler Schule vs. Marcinelle-Schule
Die belgische Comicwelt teilt sich in zwei große künstlerische Schulen, deren Rivalität die Entwicklung des Mediums entscheidend vorangetrieben hat. Die Brüsseler Schule um Hergé und das Magazin „Tintin" (gegründet 1946 vom Verlag Le Lombard) zeichnet sich durch ihren klaren, realistischen Stil aus – die berühmte „ligne claire". Klare Konturen, flächige Farben ohne Schraffur und ein Streben nach dokumentarischer Genauigkeit bei Hintergründen und Objekten sind die Markenzeichen dieser Richtung. Edgar P. Jacobs (Blake und Mortimer), Jacques Martin (Alix) und Bob de Moor gehörten zu den wichtigsten Vertretern dieser Schule.
Die Marcinelle-Schule um das Magazin „Spirou" (gegründet 1938 vom Verlag Dupuis in Marcinelle bei Charleroi in der Wallonie) verfolgte einen gänzlich anderen Ansatz: dynamischere Figuren, übertriebene Mimik, humorvolle Verzerrungen und ein expressiverer Strich. André Franquin, Jijé (Joseph Gillain), Morris und Peyo gehörten zu den prägenden Köpfen dieser Tradition. Während die Brüsseler Schule auf Eleganz und Präzision setzte, feierte Marcinelle die Lebendigkeit und den Witz.
Die Konkurrenz zwischen den beiden Magazinen „Tintin" und „Spirou" trieb die Qualität der belgischen Comics in den 1950er- und 1960er-Jahren auf ein außergewöhnliches Niveau und zog Talente aus ganz Europa an. Beide Schulen haben die franco-belgische Comictradition nachhaltig geprägt und sind bis heute als eigenständige Stilrichtungen erkennbar.
Die großen Verlage: Dupuis und Le Lombard
Die Geschichte der belgischen Comics ist untrennbar mit zwei Verlagshäusern verbunden. Der Verlag Dupuis, 1898 in Marcinelle als Druckerei gegründet, startete 1938 das Magazin „Spirou" und wurde zum Heimatverlag von Franquin, Peyo, Morris und zahlreichen weiteren Meistern. Dupuis veröffentlicht bis heute einige der erfolgreichsten franko-belgischen Comicserien und gehört mittlerweile zur französischen Mediengruppe Média-Participations.
Le Lombard, 1946 in Brüssel von Raymond Leblanc gegründet, war das Verlagshaus hinter dem Magazin „Tintin" und brachte neben Hergés Werken auch Serien wie „Blake und Mortimer", „Michel Vaillant" und „Ric Hochet" heraus. Beide Verlage existieren noch heute und bilden gemeinsam mit dem französischen Verlag Dargaud das Rückgrat der franco-belgischen Comiclandschaft.
Die Ligne Claire – Ein belgischer Kunststil erobert die Welt
Der von Hergé begründete Zeichenstil der „ligne claire" (klare Linie) ist Belgiens bedeutendster Beitrag zur grafischen Kunstgeschichte. Seine Merkmale sind gleichmäßig starke Konturen ohne Variation der Strichstärke, das Fehlen von Schattenlinien und Schraffuren, flächig aufgetragene Farben sowie ein Kontrast zwischen realistisch gezeichneten Hintergründen und vereinfachten, karikaturhaften Figuren. Hergé nannte dieses Prinzip „le monde stylisé" – die stilisierte Welt.
Die ligne claire beeinflusste Generationen von Zeichnern weit über Belgien hinaus. In den 1970er-Jahren entstand in den Niederlanden eine Erneuerungsbewegung um Joost Swarte, der den Begriff „ligne claire" überhaupt erst prägte. Auch der britische Zeichner Jason Lutes und zahlreiche japanische Mangaka haben sich von Hergés Stil inspirieren lassen. Die ligne claire wird heute an Kunstakademien gelehrt und gilt als eigenständige Richtung der modernen Grafik.
Die Franco-Belgische Comictradition
Der Begriff „bande dessinée" (BD), wörtlich „gezeichneter Streifen", bezeichnet die eigenständige Comictradition Belgiens und Frankreichs. Im Gegensatz zum amerikanischen Superheldencomic und zum japanischen Manga entwickelte die BD ein breites Spektrum an Genres – von Abenteuer und Humor über Science-Fiction bis hin zu historischen und philosophischen Erzählungen. Das klassische Albumformat mit 48 oder 64 Seiten in festem Einband ist ein Kennzeichen der BD und unterscheidet sie vom amerikanischen Heftformat. Belgische Comics werden in renommierten Buchhandlungen neben Literatur verkauft, nicht in spezialisierten Comic-Shops – ein Zeichen ihres kulturellen Stellenwerts.
Belgische Comics in Zahlen
| Comiczeichner in Belgien | über 700 professionelle Künstler |
| Verkaufte Tim-und-Struppi-Alben | über 250 Millionen weltweit |
| Sprachen der Tim-und-Struppi-Übersetzungen | über 100 Sprachen und Dialekte |
| Suske-en-Wiske-Alben | über 370 Bände |
| Comic-Wandbilder in Brüssel | über 60 großformatige Murals |
| Gründung des Magazins Spirou | 1938 durch den Verlag Dupuis |
| Gründung des Magazins Tintin | 1946 durch den Verlag Le Lombard |
| Belgisches Comic-Zentrum | eröffnet 1989 in Brüssel |
| Jährliche Comicproduktion in Belgien | rund 500 neue Titel pro Jahr |
| Umsatz der belgischen Comicindustrie | geschätzt über 100 Millionen Euro jährlich |
| Erstes Tim-und-Struppi-Abenteuer | 1929 – Tim im Lande der Sowjets |
| Erster Auftritt der Schlümpfe | 1958 in „Johann und Pfiffikus" |
Comic-Route durch Brüssel – Parcours BD
Über 60 großformatige Comic-Wandmalereien (Murals) schmücken die Hauswände der Brüsseler Innenstadt und bilden zusammen den berühmten „Parcours BD" (Comic-Rundgang). Dieses einzigartige Freiluftmuseum wurde 1991 ins Leben gerufen und wird seither kontinuierlich erweitert. Jedes Wandbild zeigt eine Szene oder Figur aus einem belgischen Comic und wird von professionellen Wandmalern in enger Zusammenarbeit mit den Verlagen und Rechteinhabern gestaltet.
Der Spaziergang entlang der Comic-Route führt durch die Altstadt und angrenzende Viertel. Zu den bekanntesten Murals gehören das riesige Tim-und-Struppi-Wandbild in der Rue de l'Étuve, die Schlümpfe-Darstellung in der Rue du Marché au Charbon und das eindrucksvolle Gaston-Lagaffe-Bild nahe der Börse. Die Stadt Brüssel stellt kostenlose Karten zur Verfügung, mit denen Besucher die Route selbstständig erkunden können. Geführte Touren bieten zusätzliche Hintergrundinformationen zur Geschichte der abgebildeten Figuren und Künstler.
Das Belgische Comic-Zentrum (CBBD)
Das Centre Belge de la Bande Dessinée (CBBD), auf Deutsch Belgisches Comic-Zentrum, ist das wichtigste Comic-Museum der Welt. Es befindet sich in einem prächtigen Jugendstilgebäude, das 1906 von dem berühmten belgischen Architekten Victor Horta als Kaufhaus entworfen wurde. Mehr zur belgischen Jugendstilarchitektur. Nach jahrelangem Leerstand wurde das Gebäude 1989 als Comic-Museum wiedereröffnet – eine gelungene Verbindung zweier belgischer Kunsttraditionen.
Auf über 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert das CBBD die Geschichte des belgischen und internationalen Comics von den Anfängen bis zur Gegenwart. Permanente Ausstellungen widmen sich Hergé, Franquin und anderen Meistern, während wechselnde Sonderausstellungen zeitgenössische Entwicklungen aufgreifen. Die Bibliothek des Museums umfasst über 80.000 Comicalben und dient Forschern als wichtige Quelle. Jährlich besuchen rund 200.000 Menschen das Museum, das damit zu den meistbesuchten Kultureinrichtungen Brüssels gehört.
Weitere Comic-Museen in Belgien
Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve
Das 2009 eröffnete Musée Hergé in Louvain-la-Neuve bei Brüssel wurde vom französischen Stararchitekten Christian de Portzamparc entworfen. Auf über 3.600 Quadratmetern zeigt es das Gesamtwerk von Hergé, darunter Originalzeichnungen, persönliche Gegenstände und seltene Erstausgaben. Das Museum beleuchtet auch Hergés Arbeit als Grafiker und Maler abseits der Tim-und-Struppi-Reihe.
Marc-Sleen-Museum in Brüssel
Das dem flämischen Comiczeichner Marc Sleen gewidmete Museum befindet sich ebenfalls in Brüssel und zeigt das umfangreiche Werk des Nero-Schöpfers. Es ist ein wichtiges Zentrum für die Erforschung der flämischen Comictradition und beherbergt Sleens kompletten Nachlass mit Originalzeichnungen aus über fünf Jahrzehnten Schaffenszeit.
Comics Station Antwerpen
In Antwerpen bietet die Comics Station ein interaktives Erlebnis, das besonders für Familien attraktiv ist. Besucher können in die Welten bekannter belgischer Comicfiguren eintauchen, an Workshops teilnehmen und die Techniken der Comickunst kennenlernen. Die Comics Station verbindet Ausstellung, Unterhaltung und Bildung auf innovative Weise.
Moderne belgische Comics
Die belgische Comicszene ist keineswegs in der Vergangenheit erstarrt. Eine neue Generation von Zeichnern und Autoren führt die Tradition fort und erweitert sie um zeitgenössische Themen und experimentelle Formate. Künstler wie François Schuiten, der gemeinsam mit dem Texter Benoît Peeters die visionäre Reihe „Die geheimnisvollen Städte" schuf, verbinden architektonische Visionen mit erzählerischer Tiefe. Schuitens Werke wurden weltweit ausgestellt und beeinflussten sogar das Design realer Gebäude und U-Bahn-Stationen in Brüssel.
Philippe Geluck wurde mit seiner Figur „Le Chat" (Die Katze) berühmt – ein philosophierender Kater, dessen lakonische Kommentare zum Alltag in zahlreichen belgischen und französischen Zeitungen erscheinen. Jean-Claude Servais widmet sich in seinen einfühlsamen Graphic Novels dem ländlichen Leben in den belgischen Ardennen, während Dominique Goblet und Judith Vanistendael die autobiografische Graphic Novel in Belgien maßgeblich vorangetrieben haben.
Die flämische Comicszene hat in den letzten Jahren ebenfalls bemerkenswerte Talente hervorgebracht. Brecht Evens beeindruckt mit seinen aquarellierten, fast abstrakten Erzählungen, die international höchste Anerkennung finden. Die lebendige Independent-Szene in Gent und Antwerpen bringt regelmäßig innovative Werke hervor, die auf internationalen Festivals für Aufsehen sorgen.
Comic-Festivals und internationale Ausstrahlung
Das Internationale Comic-Festival von Angoulême in Frankreich, das bedeutendste Comicfestival Europas, ist traditionell eng mit der belgischen Szene verbunden. Belgische Zeichner gehören regelmäßig zu den Preisträgern des Grand Prix. Doch auch in Belgien selbst finden bedeutende Veranstaltungen statt. Das Brussels Comic Strip Festival lockt jährlich Zehntausende Besucher an, die Parade der Comicfiguren durch die Innenstadt ist ein Höhepunkt des Brüsseler Kulturkalenders.
In Flandern findet jährlich der Stripdag (Comictag) statt, der speziell die flämischsprachige Comicproduktion feiert. In Lüttich widmen sich Veranstaltungen dem wallonischen Comic-Erbe. Diese Festivals sind nicht nur kulturelle Ereignisse, sondern auch wichtige Plattformen für den Austausch zwischen etablierten Künstlern und Nachwuchstalenten sowie zwischen Verlagen und ihrem Publikum.
Comic-Weltmacht Belgien – Wirtschaftliche Bedeutung
Belgien produziert pro Kopf mehr Comics als jedes andere Land der Welt. In Brüssel gibt es mehr spezialisierte Comicläden als in jeder anderen europäischen Hauptstadt. Die Comicindustrie generiert einen geschätzten Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro und bietet Tausenden von Menschen Arbeit – von Zeichnern und Textern über Koloristen und Drucker bis hin zu Museumspersonal und Tourismusführern. Comics sind keine reine Kinder-Unterhaltung, sondern ernsthafte Kunst, die in Museen ausgestellt, an Universitäten studiert und von der Regierung gefördert wird. Die belgische Regierung unterstützt die Comic-Branche aktiv durch Stipendien, Kulturförderung und steuerliche Anreize. Die belgische Comic-Tradition wurde als lebendiges immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Comic-Shops und Sammlerleidenschaft
Belgien verfügt über ein dichtes Netz spezialisierter Comicbuchhandlungen, die weit über einfache Geschäfte hinausgehen. In Brüssel allein gibt es Dutzende solcher Läden, die neben aktuellen Neuerscheinungen auch seltene Erstausgaben, Originalzeichnungen und limitierte Sammlerstücke anbieten. Die bekanntesten unter ihnen, wie „Brüsel" im Brüsseler Stadtzentrum, sind Treffpunkte für Sammler aus ganz Europa.
Die Sammlerszene für belgische Comics ist international höchst aktiv. Originalzeichnungen von Hergé, Franquin oder Peyo erzielen bei Auktionen regelmäßig sechsstellige Beträge. Eine Originalseite aus „Tim und Struppi" oder ein Cover von Franquin gehören zu den begehrtesten Sammlerstücken der Comicwelt. Spezialisierte Auktionshäuser in Brüssel und Paris führen mehrmals jährlich dedizierte Comic-Versteigerungen durch.
Comics als Studienfach und Forschungsgegenstand
Mehrere belgische Hochschulen bieten spezialisierte Studiengänge für Comic-Kunst und Illustration an. Die renommierte Kunsthochschule Saint-Luc in Brüssel und ihre Schwesterinstitutionen in Lüttich und Tournai haben Generationen von Comiczeichnern ausgebildet. Auch die Königliche Akademie der Schönen Künste in Brüssel und die LUCA School of Arts in Gent bieten entsprechende Programme an. Die akademische Beschäftigung mit Comics umfasst nicht nur die praktische Ausbildung, sondern auch die theoretische Erforschung des Mediums als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen.
Brüssel – Die Comic-Hauptstadt Europas
Brüssel vereint wie keine andere Stadt die gesamte Bandbreite der belgischen Comickultur. Vom Belgischen Comic-Zentrum über die berühmte Comic-Route mit ihren Wandmalereien bis hin zu den zahllosen Comicläden, Galerien und Skulpturen – in der belgischen Hauptstadt begegnet man der neunten Kunst auf Schritt und Tritt. Selbst die Brüsseler Metro-Stationen sind mit Comickunst geschmückt, und eine Statue von Gaston Lagaffe steht unweit des Parlaments. Die Stadt investiert gezielt in ihre Identität als europäische Comic-Hauptstadt und zieht damit jährlich Hunderttausende Kulturtouristen an, die die einzigartige Verbindung von Stadtkultur, Jugendstilarchitektur und Comickunst erleben möchten.