Diamantenhandel in Antwerpen – Welthauptstadt der Edelsteine
Antwerpen ist seit über 500 Jahren das unangefochtene Zentrum des weltweiten Diamantenhandels. Rund 84 Prozent aller Rohdiamanten und 50 Prozent aller geschliffenen Diamanten der Welt passieren die Stadt an der Schelde. Das Antwerpener Diamantenviertel rund um den Hauptbahnhof ist ein faszinierender Mikrokosmos, in dem täglich Geschäfte im Wert von Hunderten Millionen Euro abgewickelt werden. Keine andere Stadt der Welt kann auf eine so lange, ununterbrochene Tradition im Diamantenhandel zurückblicken. Selbst in Zeiten globaler wirtschaftlicher Umbrüche hat Antwerpen seine Stellung als Dreh- und Angelpunkt der Diamantenindustrie behauptet.
| Weltanteil Rohdiamanten | 84% aller Rohdiamanten weltweit |
| Weltanteil geschliffene Diamanten | 50% aller geschliffenen Diamanten |
| Jährlicher Umsatz | über 30 Milliarden Euro |
| Diamantenviertel | ca. 1 Quadratkilometer um den Hauptbahnhof |
| Diamantenbörsen | 4 Börsen in Antwerpen |
| Beschäftigte im Diamantensektor | rund 30.000 Personen direkt und indirekt |
| Registrierte Diamantenhändler | über 1.700 Firmen |
| Geschichte | seit dem 15. Jahrhundert |
| Zertifizierungsinstitut | HRD Antwerp (Hoge Raad voor Diamant) |
| Dachorganisation | Antwerp World Diamond Centre (AWDC) |
Geschichte des Diamantenhandels
Antwerpens Aufstieg zum Diamantenzentrum begann im 15. Jahrhundert, als die Stadt den Diamantenhandel von Brügge übernahm. Die Erfindung neuer Schleiftechniken durch Lodewyk van Berquem im Jahr 1475 war ein entscheidender Meilenstein. Van Berquem, ein flämischer Juwelier und Handwerker, entwickelte das revolutionäre Konzept des symmetrischen Schliffs und nutzte dafür Diamantpulver auf einer rotierenden Scheibe. Diese Technik ermöglichte es erstmals, Diamanten in vorhersehbare Formen zu bringen und ihr volles Lichtspiel zu entfalten. Damit legte er den Grundstein für Antwerpens Expertise in der Diamantenverarbeitung.
Im 16. Jahrhundert erlebte Antwerpen seine erste große Blütezeit. Die Stadt war zu jener Zeit eine der wichtigsten Handelsstädte Europas und zog Kaufleute aus aller Welt an. Der Diamantenhandel profitierte von den hervorragenden Handelsverbindungen, insbesondere zu den Diamantenminen in Indien, die damals die Hauptquelle für Rohdiamanten darstellten. Als im 18. Jahrhundert brasilianische Diamanten den Markt überschwemmten, behielt Antwerpen seine Vorrangstellung bei. Im 19. Jahrhundert festigten die Entdeckung reicher Diamantenvorkommen in Südafrika und die Gründung der ersten Diamantenbörsen Antwerpens Position endgültig.
Selbst die Verwüstungen der beiden Weltkriege konnten Antwerpens Diamantenindustrie nicht dauerhaft brechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele Diamantenhändler zurück und bauten die Branche rasch wieder auf. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte neue Herausforderungen durch die Globalisierung, doch Antwerpen passte sich an und blieb das Zentrum des Handels, während die Schleifarbeiten zunehmend nach Asien verlagert wurden.
Das Diamantenviertel – Diamantkwartier
In den wenigen Straßen rund um den prachtvollen Hauptbahnhof Antwerpen-Centraal konzentriert sich ein Großteil des weltweiten Diamantengeschäfts. Die Hoveniersstraat, Schupstraat und Pelikaanstraat bilden das Herz des Viertels. Hier reihen sich Diamantenhändler, Schleifereien, Juweliere und die vier Diamantenbörsen aneinander. Das Viertel erstreckt sich über kaum mehr als einen Quadratkilometer, und doch wird hier jeden Tag ein Handelsvolumen bewegt, das die meisten Finanzzentren der Welt übertrifft.
Die Atmosphäre im Diamantkwartier ist einzigartig. Orthodoxe jüdische Händler mit schwarzen Hüten gehen neben indischen Geschäftsleuten und internationalen Einkäufern die Straßen entlang. Schaufenster funkeln mit glitzernden Auslagen, während hinter verschlossenen Türen Millionengeschäfte per Handschlag besiegelt werden. Das Vertrauen zwischen den Händlern basiert auf Jahrhunderte alten Traditionen – ein Handschlag und das jiddische Wort Mazel gilt bis heute als bindend.
Sicherheit im Diamantenviertel
Die Sicherheitsvorkehrungen im Diamantkwartier gehören zu den strengsten in ganz Europa. Ein ausgeklügeltes System aus Überwachungskameras, versenkbaren Pollern und permanenter Polizeipräsenz schützt das Viertel rund um die Uhr. Die belgische Bundespolizei unterhält eine eigene Einheit, die speziell für den Schutz des Diamantenviertels zuständig ist. Der Zugang zu den Diamantenbörsen erfolgt über mehrere Sicherheitsschleusen mit biometrischen Kontrollen.
Trotz dieser Maßnahmen kam es in der Vergangenheit zu spektakulären Einbrüchen. Der Diamantenraub von 2003, bei dem ein Tresor im Diamantenzentrum geleert wurde, gilt als einer der größten Juwelendiebstähle der Geschichte. Die Beute wurde auf über 100 Millionen Euro geschätzt. Das Ereignis führte zu einer weiteren Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen und der Einführung modernster Zugangssysteme.
Die vier Diamantenbörsen
Antwerpen beherbergt vier Diamantenbörsen, die zusammen den weltweit größten Handelsplatz für Diamanten bilden. Jede Börse hat ihre eigene Spezialisierung und Geschichte. Die Beurs voor Diamanthandel, gegründet 1904, ist die älteste der vier Börsen und handelt vorwiegend mit geschliffenen Diamanten. Die Vrije Diamanthandel wurde 1911 eröffnet und ist ebenfalls auf geschliffene Steine spezialisiert. Der Diamantclub van Antwerpen, gegründet 1893 als ältester Diamantenclub der Welt, konzentriert sich auf den Rohdiamanten-Handel. Die Antwerpsche Diamantkring, 1929 gegründet, handelt mit beiden Kategorien.
In diesen vier Börsen treffen sich täglich Tausende Händler aus aller Welt. Der Zugang ist streng reguliert: Nur registrierte Mitglieder dürfen die Handelssäle betreten. Die Geschäfte werden häufig direkt auf dem Börsenparkett abgeschlossen, wobei traditionelle Bewertungsmethoden mit moderner Technologie kombiniert werden. Spezielle Räume mit genormtem Tageslicht ermöglichen die präzise Beurteilung der Steinqualität nach den vier C: Carat (Gewicht), Clarity (Reinheit), Colour (Farbe) und Cut (Schliff).
Beurs voor Diamanthandel
Gegründet 1904 als erste offizielle Diamantenbörse Antwerpens. Spezialisiert auf den Handel mit geschliffenen Diamanten. Die Börse befindet sich in der Pelikaanstraat und ist bekannt für ihre eleganten Handelssäle mit perfekt kalibriertem Licht zur Diamantenbewertung.
Diamantclub van Antwerpen
Der 1893 gegründete Diamantclub ist der älteste Diamantenhandelsclub der Welt. Hier werden vorwiegend Rohdiamanten gehandelt. Der Club pflegt strenge Aufnahmekriterien und ist bekannt für sein Schlichtungsverfahren bei Handelsstreitigkeiten zwischen Mitgliedern.
Vrije Diamanthandel
Seit 1911 ist die Vrije Diamanthandel ein wichtiger Handelsplatz für geschliffene Steine. Die Börse ist für ihre internationale Mitgliederschaft bekannt und zieht Händler aus über 50 Ländern an. Sie befindet sich ebenfalls im Herzen des Diamantenviertels.
Antwerpsche Diamantkring
Die 1929 gegründete Diamantkring handelt sowohl mit Roh- als auch mit geschliffenen Diamanten. Sie zeichnet sich durch eine besonders diverse Mitgliederschaft aus und hat sich als Plattform für den Handel mit farbigen Diamanten und Spezialitäten etabliert.
Diamantenschleiferei – Jahrhundertealte Handwerkskunst
Das Schleifen von Diamanten ist eine Kunst, die in Antwerpen seit Jahrhunderten perfektioniert wird. Der berühmte Brillantschliff mit seinen 57 Facetten wurde hier weiterentwickelt und zur Perfektion gebracht. Jede einzelne Facette muss in einem exakt definierten Winkel geschliffen werden, um das maximale Feuer und die Brillanz des Steins freizusetzen. Ein erfahrener Diamantenschleifer benötigt Jahre der Ausbildung, bevor er an wertvollen Steinen arbeiten darf.
Obwohl ein Großteil der industriellen Schleifarbeiten heute in Indien, China und Israel stattfindet, bleibt Antwerpen das unbestrittene Zentrum für besonders wertvolle und komplexe Schliffe. Die Antwerpener Diamantenschleifer genießen weltweit den besten Ruf, insbesondere wenn es um außergewöhnlich große oder seltene Steine geht. Viele der berühmtesten Diamanten der Welt wurden in Antwerpener Werkstätten geschliffen, darunter einige der spektakulärsten Steine für königliche Sammlungen und internationale Juweliere.
Die Schleiftechnik hat sich im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelt. Moderne Computertomographie und 3D-Modellierung ermöglichen es heute, den optimalen Schliff für jeden Rohdiamanten zu berechnen, bevor der erste Schnitt gesetzt wird. Dennoch bleibt die menschliche Hand unverzichtbar: Die feinsten Schliffe erfordern das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung eines Meisters, der die einzigartigen Eigenschaften jedes einzelnen Steins versteht.
Berühmte in Antwerpen geschliffene Diamanten
Antwerpen hat im Laufe der Jahrhunderte einige der berühmtesten Diamanten der Welt bearbeitet. Der Centenary Diamond, einer der größten farblosen Diamanten mit 273,85 Karat, wurde in Antwerpen von dem Meisterschleifer Gabi Tolkowsky geschliffen. Die Arbeit dauerte über drei Jahre und erforderte höchste Präzision. Tolkowsky, Nachfahre einer der berühmtesten Diamantenschleifer-Dynastien, ist auch für den Millennium Star bekannt, einen birnenförmigen Diamanten von 203,04 Karat.
Auch der berühmte Koh-i-Noor, der heute Teil der britischen Kronjuwelen ist, wurde im 19. Jahrhundert in Antwerpen neu geschliffen. Ebenso wurde der Lesedi La Rona, einer der größten jemals gefundenen Rohdiamanten mit 1.109 Karat, in Antwerpen analysiert und bewertet. Diese Tradition, die anspruchsvollsten Steine der Welt zu bearbeiten, festigt Antwerpens Ruf als unersetzliches Zentrum der Diamantenkunst.
Die jüdische Gemeinschaft und der Diamantenhandel
Die Geschichte des Antwerpener Diamantenhandels ist untrennbar mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Bereits im 16. Jahrhundert siedelten sich sephardische Juden aus Portugal und Spanien in Antwerpen an und brachten wertvolles Wissen über den Edelsteinhandel mit. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert dominierte die aschkenasisch-jüdische Gemeinschaft, insbesondere orthodoxe und chassidische Juden, den Handel und die Verarbeitung von Diamanten.
Vor dem Zweiten Weltkrieg waren schätzungsweise 75 Prozent der Antwerpener Diamantenhändler jüdischer Herkunft. Die Shoah dezimierte die Gemeinschaft auf tragische Weise, doch nach dem Krieg kehrten viele Überlebende zurück und bauten die Branche wieder auf. Heute bildet die orthodoxe jüdische Gemeinschaft, insbesondere die Chassidim aus der Belzer und Satmarer Richtung, nach wie vor einen wichtigen Pfeiler des Diamantenhandels. Ihre Netzwerke erstrecken sich über die gesamte Welt, von New York über Tel Aviv bis Mumbai.
Das jüdische Erbe prägt das Diamantenviertel bis heute sichtbar. Koscheren Restaurants, Synagogen und jüdische Schulen befinden sich in unmittelbarer Nähe der Diamantenbörsen. Die Gemeinschaft pflegt eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens, die für das Funktionieren des Diamantenhandels unverzichtbar ist.
Indische Händler und die Globalisierung
Seit den 1960er-Jahren haben indische Diamantenhändler, insbesondere aus der Jain-Gemeinschaft in Gujarat, eine zunehmend wichtige Rolle im Antwerpener Diamantenhandel übernommen. Heute stellen indische Firmen einen erheblichen Anteil der im Diamantenviertel tätigen Unternehmen. Die indische Stadt Surat ist zum weltweit größten Zentrum der Diamantenschleiferei aufgestiegen, und die enge Verbindung zwischen Antwerpen und den indischen Schleifereistandorten ist ein Grundpfeiler der globalen Diamantenlieferkette.
Die indische Gemeinschaft hat dem Diamantenviertel neue Dynamik verliehen und kulturelle Vielfalt in das Viertel gebracht. Indische Restaurants und Geschäfte haben sich neben den traditionellen jüdischen Einrichtungen etabliert. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Handelsgemeinschaften zeigt, wie der Diamantenhandel über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg funktioniert – verbunden durch die gemeinsame Leidenschaft für Edelsteine und das Vertrauen in den Handelsplatz Antwerpen.
Antwerp World Diamond Centre (AWDC)
Das Antwerp World Diamond Centre ist die offizielle Vertretung des belgischen Diamantensektors. Als öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem belgischen Staat und der Diamantenindustrie fördert die AWDC den Antwerpener Diamantenhandel weltweit. Die Organisation setzt sich für transparente Handelspraktiken ein, unterstützt die Zertifizierung und vertritt die Interessen des Sektors gegenüber nationalen und internationalen Institutionen.
Die AWDC organisiert internationale Handelsmissionen, fördert Ausbildungsprogramme und koordiniert die Zusammenarbeit mit Diamantenproduzentenländern in Afrika und anderen Regionen. Darüber hinaus spielt sie eine zentrale Rolle bei der Umsetzung ethischer Standards und der Bekämpfung des Handels mit Konfliktdiamanten. Durch Initiativen wie die Diamond Academy bietet die AWDC Schulungen für angehende Gemmologen und Diamantenhändler an.
HRD Antwerp – Zertifizierung und Qualitätsstandards
HRD Antwerp, ursprünglich als Hoge Raad voor Diamant gegründet, ist eines der weltweit führenden Institute für die Zertifizierung und Bewertung von Diamanten. Das HRD-Zertifikat ist international anerkannt und garantiert eine unabhängige, objektive Bewertung nach den strengsten Standards. Jeder zertifizierte Diamant wird nach den vier C – Carat, Clarity, Colour und Cut – beurteilt und erhält ein detailliertes Gutachten mit Lasereinschrift zur eindeutigen Identifizierung.
Neben der Zertifizierung betreibt HRD Antwerp ein hochmodernes Forschungslabor, das sich mit der Erkennung synthetischer Diamanten, der Entwicklung neuer Bewertungsmethoden und der Analyse behandelter Steine befasst. Die Forschungsarbeit von HRD Antwerp hat maßgeblich dazu beigetragen, das Vertrauen in den natürlichen Diamantenmarkt zu stärken und Fälschungen frühzeitig zu erkennen.
Der Kimberley-Prozess und ethischer Handel
Der Kimberley-Prozess, ein internationales Zertifizierungssystem, wurde im Jahr 2003 ins Leben gerufen, um den Handel mit sogenannten Blut- oder Konfliktdiamanten zu unterbinden. Antwerpen spielte bei der Entwicklung und Umsetzung dieses Systems eine führende Rolle. Das Kimberley Process Certification Scheme (KPCS) verlangt, dass alle Rohdiamanten von einem Herkunftszertifikat begleitet werden, das bestätigt, dass die Steine nicht aus Konfliktgebieten stammen und nicht zur Finanzierung bewaffneter Gruppen dienen.
Belgien war eines der Gründungsmitglieder des Kimberley-Prozesses, und der belgische Zoll in Antwerpen spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Diamantenimporte und -exporte. Jede Sendung wird überprüft, dokumentiert und in einer zentralen Datenbank erfasst. Trotz Kritik an der Wirksamkeit des Systems hat der Kimberley-Prozess dazu beigetragen, den Anteil von Konfliktdiamanten am Weltmarkt von geschätzt 15 Prozent auf unter 1 Prozent zu senken.
Synthetische Diamanten – Herausforderung für die Branche
Die zunehmende Verbreitung synthetischer Diamanten, die im Labor unter hohem Druck und hoher Temperatur (HPHT) oder mittels chemischer Gasphasenabscheidung (CVD) hergestellt werden, stellt den traditionellen Diamantenhandel vor neue Herausforderungen. Labordiamanten sind chemisch und physikalisch identisch mit natürlichen Diamanten und können mit dem bloßen Auge nicht unterschieden werden. Ihre Preise liegen deutlich unter denen natürlicher Steine, was den Markt unter Druck setzt.
Antwerpen hat auf diese Entwicklung mit verstärkter Forschung und Transparenz reagiert. HRD Antwerp und andere Labore haben Technologien entwickelt, die natürliche von synthetischen Diamanten zuverlässig unterscheiden können. Die Branche setzt zudem auf eine klare Kennzeichnungspflicht: Synthetische Diamanten müssen als solche deklariert werden. Viele Antwerpener Händler betonen den einzigartigen Wert natürlicher Diamanten, die über Milliarden von Jahren tief in der Erde entstanden sind, und heben die emotionale und kulturelle Bedeutung des echten Steins hervor.
DIVA – Das Diamantenmuseum
DIVA, das Antwerpener Diamanten-, Juwelen- und Silbermuseum in der Suikerrui im Herzen der Altstadt, erzählt die faszinierende Geschichte des Diamantenhandels und der Juwelierkunst. Das Museum, 2018 in neuer Form eröffnet, vereint die Sammlungen des ehemaligen Provinciaal Diamantmuseum und des Zilvermuseum Sterckshof. Interaktive Ausstellungen erklären den Weg vom Rohdiamanten zum geschliffenen Juwel und beleuchten die gesellschaftliche Bedeutung von Schmuck und Luxusgütern.
Besucher können Diamantenschleifern bei der Arbeit zusehen, selbst die Qualität von Steinen unter der Lupe beurteilen und die Geschichte der Antwerpener Juwelierkunst über sechs Jahrhunderte erkunden. Das Museum zeigt auch wechselnde Sonderausstellungen zeitgenössischer Schmuckdesigner und bietet Workshops für Kinder und Erwachsene an. DIVA ist damit nicht nur ein Ort der Vergangenheit, sondern auch ein Fenster in die Zukunft des Schmuckhandwerks.
Diamanten-Touren und Erlebnisse für Besucher
Für Besucher bietet Antwerpen zahlreiche Möglichkeiten, die Welt der Diamanten hautnah zu erleben. Geführte Diamond Walks durch das Diamantenviertel geben Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des Handels. Erfahrene Guides erklären die Funktionsweise der Börsen, die Besonderheiten der verschiedenen Schliffarten und die kulturelle Vielfalt des Viertels. Viele Touren beinhalten den Besuch einer Schleiferei, in der Meisterschleifer an wertvollen Steinen arbeiten.
Einige Diamantenhändler bieten individuelle Führungen durch ihre Showrooms an, bei denen Besucher Diamanten in verschiedenen Qualitätsstufen vergleichen und die Unterschiede zwischen Schliffarten, Reinheitsgraden und Farbnuancen selbst erkennen können. Wer einen Diamanten kaufen möchte, kann sich von zertifizierten Experten beraten lassen und erhält so einen einzigartigen Einblick in eine Welt, die normalerweise hinter verschlossenen Türen verborgen bleibt.
DIVA Museum besuchen
Das Diamanten- und Silbermuseum in der Suikerrui zeigt sechs Jahrhunderte Juwelierkunst. Interaktive Stationen, Schleif-Vorführungen und wechselnde Ausstellungen machen den Besuch zu einem Erlebnis für die ganze Familie. Geöffnet von Donnerstag bis Montag.
Geführter Diamond Walk
Verschiedene Anbieter führen durch das Diamantenviertel und erklären die Geschichte, die Handelsabläufe und die Sicherheitsmaßnahmen. Eine typische Tour dauert zwei Stunden und beinhaltet den Besuch einer Schleiferei sowie eines Handelshauses.
Diamant kaufen
Im Diamantenviertel finden Käufer sowohl Großhändler als auch Einzelhandelsgeschäfte. AWDC-zertifizierte Händler garantieren faire Preise und Qualität. Ein HRD-Zertifikat ist das Gütesiegel, das Echtheit und Qualitätsmerkmale des Steins bestätigt.
Schleiferei-Besichtigung
Mehrere Werkstätten im Diamantenviertel öffnen ihre Türen für Besucher. Hier kann man den Meisterschleifern über die Schulter schauen und den aufwändigen Prozess von der Analyse des Rohsteins bis zum fertigen Brillanten miterleben.
Wirtschaftliche Bedeutung des Diamantensektors
Der Diamantenhandel ist für die belgische Wirtschaft von enormer Bedeutung. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von über 30 Milliarden Euro macht die Diamantenindustrie einen erheblichen Teil der belgischen Exporte aus. Rund 30.000 Menschen sind direkt oder indirekt im Diamantensektor beschäftigt, darunter Händler, Schleifer, Gemmologen, Sicherheitskräfte, Logistiker und Verwaltungsangestellte. Die Diamantenindustrie generiert bedeutende Steuereinnahmen für die Stadt Antwerpen und den belgischen Staat.
Über den reinen Handel hinaus profitiert Antwerpen vom Diamantentourismus. Tausende Besucher kommen jährlich in die Stadt, um das Diamantenviertel zu besichtigen, das DIVA-Museum zu besuchen oder Diamanten zu erwerben. Hotels, Restaurants und der Einzelhandel in der Umgebung des Hauptbahnhofs profitieren direkt von der Anziehungskraft des Diamantenhandels. Antwerpen hat sich auch als Zentrum für gemmologische Ausbildung und Forschung etabliert und zieht Studierende und Wissenschaftler aus der ganzen Welt an.
Zukunft des Antwerpener Diamantenhandels
Der Diamantenhandel steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Digitalisierung ermöglicht zunehmend den Online-Handel mit zertifizierten Diamanten, und Blockchain-Technologie wird eingesetzt, um die Lieferkette vom Abbau bis zum Endkunden lückenlos zu dokumentieren. Antwerpen investiert stark in diese technologischen Entwicklungen, um seine führende Stellung zu behaupten. Die Einführung digitaler Handelsplattformen ermöglicht es Händlern weltweit, Diamanten in Antwerpen zu kaufen, ohne physisch anwesend sein zu müssen.
Gleichzeitig wächst der Druck durch synthetische Diamanten und veränderte Konsumgewohnheiten jüngerer Generationen. Die Branche reagiert mit verstärktem Fokus auf Nachhaltigkeit, ethischen Abbau und Transparenz. Initiativen zur Rückverfolgbarkeit und zum verantwortungsvollen Bergbau sollen das Vertrauen der Verbraucher stärken. Antwerpen positioniert sich dabei als Garant für ethisch einwandfreie Diamanten und setzt auf die Kombination aus jahrhundertealter Expertise und modernster Technologie.
Diamanten kaufen in Antwerpen – Tipps für Besucher
Wer einen Diamanten kaufen möchte, ist in Antwerpen bestens aufgehoben. Die Antwerp World Diamond Centre (AWDC) zertifiziert Händler und garantiert faire Geschäftspraktiken. Im Diamantenviertel findet man sowohl Großhändler als auch Einzelhandelsgeschäfte, die Diamanten zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten. Achten Sie beim Kauf stets auf ein Zertifikat des HRD Antwerp, das Qualität, Echtheit und die genauen Merkmale des Steins bestätigt. Vergleichen Sie Preise bei mehreren Händlern und lassen Sie sich die vier C – Carat, Clarity, Colour und Cut – genau erklären. Ein persönlicher Besuch im Diamantenviertel lohnt sich, denn hier erhalten Sie nicht nur einen Edelstein, sondern auch ein Stück der fünfhundertjährigen Tradition, die Antwerpen zur Welthauptstadt der Diamanten gemacht hat. Mehr über Antwerpen →